Karlsruhe. Sicherlich, es gibt viele Sportarten, für die man sich begeistern und deren Anhänger man werden kann. Aber als gebürtigem Karlsruher verbleiben aus der langen Liste genau zwei, in die es sich lohnt, sein patriotisches Herzblut zu stecken: Entweder in Fußball mit dem Karlsruher Sport Club oder in Basketball mit der BG Karlsruhe.
Ein Geradeaus-Kommentar von Corina Bohner
Ja, ich weiß – allein schon, dass ich dem Fandasein per se mit dem Verb „lohnen“ eine Wertigkeit aufdrücke, dürfte bei dem ein oder anderen Vollblutfan die Galle zum Überlaufen bringen. Natürlich meinte ich damit keinesfalls, dass die Anhängerschaft an der Dritt-, Zweit- oder Erstklassigkeit eines Vereins festgemacht werden sollte. Dennoch möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich die sogenannten „Schönwetterfans“ im Sport begrüßen – und zwar nicht nur, weil sie Geld in die Vereinskassen spülen. Die Fans, welche nur in die Stadien und Hallen strömen, wenn die Heimmannschaft auf Erfolgskurs ist. Die Fans, deren vermeintlich unqualifizierte Kommentare oftmals unverständliches Kopfschütteln und Augenrollen bei den treuen Anhängern des Sports auslösen. Eben genau die Fans, die Fan sind, weil die Mannschaft gerade schick und angesagt ist.
Stichwort „angesagt“ – damit wären wir wieder bei der „lohnenswerten“ Anhängerschaft: Natürlich möchte der Schönwetterfan die Früchte ohne Arbeit ernten und bevorzugt eben deswegen erfolgreiche Mannschaften. Wurden beim Schönwetterfan nach einem Sieg „seiner“ Mannschaft einmal im Gemeinschaftsgefüge die Glückshormone ausgeschüttet, wird er dieses potentielle Suchterlebnis wiederholen wollen. Aus dieser Annahme resultiert ein weiteres Argument für mehr Toleranz gegenüber den Schönwetterfans: Wie viele der treuen Allwetterfans waren zuvor selbst gelegentliche Schönwetterfans?
Zum Schluss habe ich noch einen Tipp für alle potentiellen Schönwetterfans in Karlsruhe, die sich aus Zeitgründen für eine Sportart entscheiden müssen, aber nicht wissen, ob der KSC oder die BG ihre Aufmerksamkeit mehr verdient hätte: In der Europahalle werdet ihr nie nass, bekommt volle Emotionen ohne gewalttätige Krawalle und 10-minütige Viertel strapazieren die erforderliche Aufmerksamkeitsspanne nicht zu sehr.